Persönliche Worte
Lange Zeit habe ich mitten im normalen System dieser modernen Welt gelebt und gearbeitet. Ich durfte über viele Jahre hinweg ganz genau beobachtet, wie Menschen sich verhalten, wie Gruppen funktionieren und wie sich die Gesellschaft immer mehr in verschiedene Lager spaltet. Ja, ich kenne die Regeln, die Schablonen und den Druck, dem man sich heute ständig anpassen soll, doch dabei geht das Menschsein verloren.
Je länger ich mir diese hektische, technisierte Welt angeschaut habe, desto klarer wurde mir, was uns heute am meisten fehlt: Wir haben die Verbindung zur Natur und damit zu unseren echten Wurzeln fast völlig verloren. Die moderne Welt verlangt von uns, dass wir Rollen annehmen und funktionieren. Doch dieses System führt in eine gefährliche Sackgasse, denn es vergisst, was uns als Menschen im Kern ausmacht.
Erdenweg
Geboren wurde ich in ein Umfeld, das stark christlich geprägt war. Bei meiner Geburt in einem katholischen Krankenhaus sah die Hebamme meine grünen Augen und ein Wolfsmal auf meiner linken Hand und nannte mich „Teufelsbalg“ und liess mich vor Schreck fast zu Boden fallen. Zudem wurde ich "unehelich" geboren, was damals für zusätzliche Aufregung sorgte.
Der Makel meiner Herkunft verfolgte mich lange, denn in dem Dorf, in dem ich aufwuchs, wurde viel über mich und meine „Herkunft“ getuschelt.
Meine Gross(e)Mutter vermittelt mir von klein auf, dass ich über meine Gaben, die sie selbst auch nicht verstand, schweigen solle, weil sie mich „anders“ machten als die anderen Kinder. Sie wollte nicht, dass mein Leben noch schwerer wurde, als es schon war.
Mir wurden die Gaben geschenkt, Lebewesen tiefgehend zu erreichen, indem ich mich mit ihrer Seele verbinde. Zudem nehme ich verschlossene und vielleicht sogar schon fast vergessene Bedürfnisse wahr und kann sie in Worte fassen. Auch habe ich die Fähigkeit, Zukünftiges zu sehen und Vergangenes sichtbar zu machen.
Lebenslinien
Wenn es in meinem Leben einen sogenannten roten Faden gibt, dann immer das Streben nach emotionaler und spiritueller Freiheit. Da mir als Kind „eingebläut" wurde, dass ich meine Gaben verschweigen muss, wenn ich ein Teil der modernen Gesellschaft sein will, wählte ich berufliche Wege, die auf uraltem Wissen basieren und heute wissenschaftlich anerkannte Namen tragen. Nur so konnte ich meine Gabe leben, ohne mich selbst vollständig zu verraten.
Zeitenwandel
Meine frühkindliche Prägung, mich verstellen zu müssen, um nicht für mindestens verrückt gehalten zu werden, hat mich lange gefangen gehalten. Dieser tief verankerte Druck, meine Gaben in eine für andere wissenschaftlich anerkannte, logische Form zu bringen, erschöpfte mich über Jahre hinweg, denn ich lebte in ständiger Wachsamkeit, bloss nicht aufzufallen.
Ich hielt an dieser Rolle fest, bis meine Seele die Notbremse zog und mich mit Überschallgeschwindigkeit „an die Wand knallen“ liess. Eine aus rein medizinischer Sicht unheilbare Herzerkrankung machte mir unmissverständlich klar, dass meine Seele dieses Versteckspiel nicht länger ertrug. Erst dieser sogenannte Schicksalsschlag zwang mich, ehrlich hinzusehen und mich zu fragen:
„Wann höre ich auf, meine eigene Identität zu verleugnen?“
In der Geschichte unserer Vorfahren gab es für Menschen wie mich ein altes Wort: Hagazussa – das bedeutet Zaunreiterin. Dies beschreibt ein Weib, welches auf dem Zaun der Welten sitzt, um das Wesentliche im Blick zu behalten.
Heute gehe ich in die Städte und schaue mir an, was aus der Welt geworden ist und ich darf immer wieder feststellen, dass es doch noch das ein oder andere gibt, was mich erstaunen lässt. Und vor allem, dass Schweigen keine Option mehr ist.
Auch wenn die realen Scheiterhaufen der Vergangenheit heute erloschen sind, hat sich die Methode der systematischen Ausgrenzung von Menschen, die „anders sind", in unserer modernen westlichen Zivilisation lediglich gewandelt. Während die feinstofflichen Gaben, (z.B. Visionen und die tiefe Naturwahrnehmung) in vielen Kulturen weltweit völlig anerkannt, hoch geschätzt und gemeinschaftlich integriert sind, beschreiten Menschen im westlich-europäischen Kulturraum immer noch einen völlig anderen, leidvollen Weg.
Statt auf dem Scheiterhaufen landen sie heute in rein symptomorientierten medizinischen Mühlen. Ja, auch heute noch bedarf es enormen Mutes, zu sich selbst zu stehen, denn wenn diese Menschen sich in einer rein materialistisch ausgerichteten Leistungsgesellschaft endgültig nicht mehr einfinden können, verbleibt oft nur der Weg in die therapeutische Behandlung. Denn alles, was laut wissenschaftlichem Stand „anders“ ist, wird pathologisiert, anstatt diese Gaben als Bereicherung zu begreifen.